DAS BECHERHAUS IN MUDERSBACH von Laurenz Berges

Mudersbach, der Ort und in der Jugend das zweite Zuhause von Bernd Becher, inter­es­sierte mich schon lange. Er stand Zeit seines Lebens in Verbindung zu dem Haus seiner Großeltern. Das Fachwerkhaus, in dem nichts verän­dert werden durfte, wollte ich kennen­ler­nen und hoffte, es würde sich mit meinem Interesse für biogra­fi­sche Geschichten decken. Die Möglichkeit, sich ungestört über einen langen Zeitraum mit einem vollstän­dig einge­rich­te­ten, aber ungenutz­ten Wohnhaus zu beschäf­ti­gen, ist eine seltene Gelegenheit.
Wie waren die Lebensumstände, wie Haus und Ort im überschau­ba­ren Siegerland, von dem aus Bernd und Hilla Becher ihre erste Arbeit über die Fachwerkhäuser began­nen, um dann Europa und Nordamerika zu bereisen?
In dem Haus versam­melt sich Familiengeschichte, Erinnerungsstücke der Großeltern, Dekorationsmalereien des Vaters Josef, die dort etwas fremden großbür­ger­li­chen Möbel von Hillas Mutter aus Potsdam und die das Haus prägende Religiosität der unver­hei­ra­te­ten Tanten von Bernd Becher. Berta arbei­tete als Rotkreuzschwester, Maria war Näherin und hatte als Zuverdienst Kostgänger. Bernd Becher hatte ein beson­ders enges Verhältnis zu seinen beiden Tanten, sie unter­stüt­zen ihn und später auch Hilla, trotz ihrer beschei­de­nen Möglichkeiten. Er liebte die Atmosphäre in dem kleinen Ort, er malte und zeich­nete dort als junger Mann, es scheint eine Art Fluchtpunkt für ihn gewesen zu sein, da das Verhältnis zu seinem Vater, der sich einen anderen Lebensweg für seinen Sohn vorge­stellt hatte, schwie­rig war. Er wollte, dass sein ältes­ter Sohn den väter­li­chen Malerbetrieb übernimmt.
Das Haus, seit Jahren kaum bewohnt, schickte mich auf eine Zeitreise zwischen Neugierde und Melancholie.

Laurenz Berges

 

 

Siegen – New York, 2020

 

 

 

 

Schlüssel und Knopf, 2018

 

 

 

 

Regal mit Honig, 2018

 

 

 

 

Blick in die Stube, 2021

 

 

 

 

Mudersbacher Sonne 2022

 

 

 

 

Am Abend 2018

 

 

 

 

Blick auf Mudersbach , 2019

 

 

 

 

Windhahn 2021

 

 

 

 

Zimmer der Schwestern II, 2020

 

 

 

 

Grüner Teppich, 2020

 

 

 

 

Landkarte, 2022

 

 

 

 

Hans-Bernd, 2021

 

 

 

 

Nähzimmer I, 2020

 

 

 

 

Berta und Maria (Fotografie: Hilla Becher)

 

 


 

 

 

Schirmer/​Mosel. Mit einem Essay von Hanns-Josef Ortheil. 96 Seiten, 46 Farbfotografien. Format: 26 x 23,1 cm, gebun­den. Deutsche Ausgabe. ISBN 978−3−8296−0948−7