Jörg Lauterberg: Unscharfe Mengen – ein Werkstattbericht

Zu Anfang ein Bild, das es nur in meinem Kopf gibt: Ein Sonntagmorgen im August, Halbmarathon mit mehr als 10.000 Teilnehmern in Berlin. Fast alle im weißen Shirt des Veranstalters. Eine wellige, mehr als 1 km lange gerade Strecke in 4‑spuriger Breite vor meinem Auge, voller Läuferinnen und Läufer, die im Sonnenlicht auf und ab schwap­pen wie ein Strom von Milch aus einer umgestürz­ten Kanne.

Wir laufen. Wir warten. Wir tanzen. Wir schwe­ben. Wir kämpfen. Wir trauern. Wir protes­tie­ren. Wir schauen zu. Wir feiern. Wir marschie­ren. Wir stürzen. Wir genie­ßen. Wo sind wir nur Menge, und wo beginnt eigent­lich Gemeinschaft? Was verei­nigt Kollektive, was ist der Einzelne in diesen Situationen? Können Bilder diese Fragen beant­wor­ten? Oder ein „Wir“ zeigen?

Menschen versam­meln sich zu den unter­schied­lichs­ten Anlässen: Jahrmarkt, Zirkus, Sportereignisse, Beerdigung, Bälle, Chorsingen, Karneval, Strandleben, Schulpause, Biergarten, Kundgebungen, Konzert, Warten am Bahnhof, Feste, Messen, Paraden, Demonstrationen. Die Liste ist lang, und da muss ich fast überall noch hin.

Ich nähere mich dem Thema langsam an, habe nur den Anfang für eine Serie gemacht. Fotografie ist ein Weg, also muss man gedul­dig sein. Viele Bildideen sind noch nicht verwirk­licht, Gelegenheiten haben sich noch nicht ergeben. Insofern stellen die ausge­wähl­ten Bilder einen Auftakt mit ersten Versuchen dar, das Ganze ist ein Werkstattbericht.

 

 

U3 – Bahnhof

 

 

U5 – Biergarten

 

 

U2 – Triathlon

 

 

U4 – Kirmes

 

 

U1 – Karneval