Anselm Faust: Mein Vater und ich /​ Klasse Bild & Text 2026

 

 

Wir lesen abends häufig. Ich kaufe mir auch heute noch fast jede Woche ein Buch. Kürzlich las ich meiner Frau Gedichte von Hölderlin vor.
Helmut Faust, 30. April 1942

 

 

 

 

 

 

Bis auf weite­res sitze ich noch auf meinem Arbeitsplatz in der Deutschlandkasse. Ich bin darüber froh. Denn ich versetze mich oft zurück in die Jahre 1932 und später. Damals hatte ich mein Examen in der Tasche, stand aber arbeits­los auf der Straße.
Helmut Faust, 30. April 1942

 

 

 

 

 

 

Lindchen spielt täglich viel im Hof. Gegen 11 Uhr vormit­tags versam­meln sich die Kinder im sonni­gen Sandkasten. Obwohl noch kalte Luft weht, ist es in der Sonne wunder­voll. Manchmal schaue ich ihnen zu.
Helmut Faust, 17. März 1941

 

 

 

 

 

 

Denkst Du auch noch an den hellen Sonntagmorgen? Wir lagen im hohen braunen Heidekraut an jener Stelle, wo vier Wege sich treffen, wo der große Findling liegt. Stille ringsum, nur Bienensummen und Vogelsang.
Helmut Faust, Juni 1930

 

 

 

 

 

 

Über aller Ermattung bewegte mich der Hoffnungsstrahl, daß es ein Marsch aus dem Krieg in den Frieden war. Am Ende des endlo­sen Weges hatte mich ein Fuhrwerk mitge­nom­men. Jetzt hieß es, in die Ferne spähen. Kaum gedacht, sah ich einen roten Punkt auftau­chen. Wer anders konnte das sein als Gertrud. Ich winkte ihr zu.
Helmut Faust, 18. Mai 1945