Benedikt Hofmann: On Books, On Vanishing Books /​ Klasse Bild & Text 2026

Bücher sind Träger von Wissen, Erinnerung und kultu­rel­ler Identität. Zugleich sind sie materi­elle Objekte – und damit verletz­lich. Dieser Verletzlichkeit ein Bild zu geben, ist Ausgangspunkt dieses Projekts. Es thema­ti­siert die physi­sche Vernichtung von Büchern als radikals­ten Ausdruck von Zensur und als Angriff auf Sprache, Denken und das kultu­relle Gedächtnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Bücherverbrennungen im Mai 1933 wurden tausende litera­ri­sche Werke und Schriften öffent­lich vernich­tet. Bis heute steht dieses Ereignis als Sinnbild für die Auslöschung geisti­ger Freiheit. Was nach dem Feuer bleibt, sind Relikte: verkohlte Oberflächen, defor­mierte Buchkörper und Asche – materi­elle Spuren eines Gewaltaktes gegen Wissen.

On Books, On Vanishing Books nähert sich diesem Thema in einer dreitei­li­gen fotogra­fi­schen Installation:

Die großfor­ma­ti­gen Arbeiten, Skins, zeigen verkohlte Buchoberflächen in extre­mer Nahsicht. Ihre Materialität lässt die Objekte kaum noch als Bücher erken­nen und eröff­net Assoziationen an verletzte Haut, Körper oder Narben. Die Fotografien bewegen sich zwischen Dokumentation und Abstraktion.

Ergänzt werden sie durch typolo­gi­sche Aufnahmen, Typology, verbrann­ter Bücher sowie deren im Aufnahmeprozess verblie­be­nen Aschespuren. In ihrer reduzier­ten, sachli­chen Bildsprache erinnern sie an foren­si­sche Dokumentationen und bilden in ihrer Erkennbarkeit ein visuel­les Archiv des Verschwindens.

Den dritten Teil, Leafs, bilden frei im Raum schwe­bende Buchseiten aus den Werken, die 1933 verbo­ten und verbrannt wurden. Es sind die jewei­li­gen ersten Seiten der Bücher – litera­ri­sche Anfänge, die den Eintritt in eine gedank­li­che Welt markieren.

Schlusspunkt der Arbeit bildet die Videoinstallation Documentary. Eine fortlau­fende Videoprojektion mit den Angaben aller im Nationalsozialsozialismus verbo­te­nen Bücher. Der fortlau­fende Text umfasst alle ca. 5000 Titel, Autoren und Verlagsangaben dieser Werke.

Die Arbeit ist als Installation konzi­piert. Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich zwischen den schwe­ben­den Buchseiten und den schwar­zen Bildkörpern der verbrann­ten Bücher. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Materialität und Geist, Präsenz und Verlust, Erinnerung und Auslöschung. Die Arbeit versteht Zensur nicht allein als Vernichtung von Büchern, sondern als Angriff auf die Vielstimmigkeit mensch­li­chen Denkens.