Eine grüne Rasenfläche mit Schaukeln und einer Rutschbahn, Das ist meine erste Erinnerung, das ist mein Ursprung, Sagte meine Mutter immer wieder
神戸 Kobe
Frei und zuversichtlich Blickst Du in die Zukunft
Was aber hattest Du gedacht, Als Du die verstrahlte Erde gesehen hast? Von der verbrannten Stadt
Das Leben ging weiter Als Fremde im eigenen Land
上社 Kamiyashiro
Am Rande der Stadt Nagoya
Wartend auf den Fernbus nach Tokyo
Die Autobahn war neu gebaut worden
Als das Dorf von Bauarbeiten umgewälzt wurde
Benrath
Wir Kinder waren verwundert, Dass Du in der Fremde Auf einmal aufblühtest
Du wirktest auf einmal so gelöst
Heute weiß ich: Du fandest Deine Kindheit in der Fremde wieder
Benrath
Die Bank bleibt leer
Wer denn sonst, wenn nicht Du?
Nach Hause können wir nicht mehr
Erinnerungsarbeit II
上社 Kamiyashiro
Zu Hause zu sein Wie damals?
Nie mehr wieder
Aber einheimisch im Dorf Waren wir auch nicht
上社 Kamiyashiro
Die Welt war weit, weit weg
Mit einem verängstigten Blick starrten Wir in die Zukunft
Wissend …
Wissend was?
Kaarst
Der Winter war kalt und hart Ich wanderte durch das schneebedeckte Feld Die dunklen Schneewolken hingen tief über der Erde
Wonach hattest Du in der Fremde gesucht?
Neuss
Selbstverständlich habe ich Nachhilfeunterricht in Deutsch genommen Bei Frau Doktor Soundso Einer gespenstischen Gestalt Die im Unterricht immer wieder einschlief
Immerhin: Sie diktierte mir Storms „Jenseit des Meeres“ Vollständig
Erinnerungsarbeit III
六日市 Muikaichi
Ich hatte immer gedacht, Die Sommerferien würden nie enden. Nach dem Aufwachen ging ich jeden Morgen in den Gemüsegarten Meines Großvaters und pflückte eine Kirschtomate. So fing der Tag an. Die Sonne schien jeden Tag, und die Tigerspinne spannte ihr Netz über den schmalen Gang zwischen dem Haus meiner Großeltern und dem Schuppen, in dem meine Großmutter eingelegte Ume-Pflaumen und allerlei Zeug lagerte. Der Weg war noch feucht vom Morgentau, Und es roch frisch nach dem Wasser des Flusses einige Meter entfernt.
Jeden Morgen ging ich zum Fluss und schaute Fische an, Die immer auf meine Schatten lauerten, Weil ich nach jedem Essen Reste in den Fluss warf. Die Fische bildeten rasch eine dunkle Traube und kämpften um Einzelne Reiskörner. Da das Ufer gemauert war, stand ich mehrere Meter über dem Wasser. Die Wasseroberfläche widerspiegelte den tiefgrünen, dicht mit Bäumen Und Gebüsch bewachsenen Berghang. Ich kam nach jedem Aufwachen, nach jedem Essen und Jeden Abend, bevor es dunkel wurde. Ich liebte den Fluss und die Landschaft Genoss die Ruhe mit der Zuversicht, Dass diese Zeit nie zu Ende gehen würde.
Benrath
Heute lebe ich wieder an einem Fluss Er ist anders als der meiner Kindheit
Dennoch: Die beiden Flüsse fließen ineinander In meinem Inneren
Im Moment des Sonnenuntergangs Wird der Flussoberlauf meiner Kindheit Zur Quelle des Flusses der Gegenwart
Die Wellen kommen weit her
Erinnerungsarbeit IV
上海 Shanghai
1925 Als der Volksaufstand aufkam Du rücktest mit der Freiwilligentruppe aus Mit einem Gewehr und einem Bajonett
Zur Beruhigung der Lage So der damalige Sprachgebrauch
Was hast Du gesehen? Was hast Du gehört?
Was hast Du getan?
六日市 Muikaichi
Im besten Mannesalter lebtest Du in einem entlegenen Bergdorf
Völlig zurückgezogen
Kein Wort darüber Wo Du gewesen warst
Niemand hätte verstehen können Was Du alles durchgemacht hattest
Erinnerungsarbeit I
上海 Shanghai
Ich bin geboren in Shanghai
Bist Du Chinesin?
Nein!
上海 Shanghai
Eine grüne Rasenfläche mit Schaukeln und einer Rutschbahn,
Das ist meine erste Erinnerung, das ist mein Ursprung,
Sagte meine Mutter immer wieder
神戸 Kobe
Frei und zuversichtlich
Blickst Du in die Zukunft
Was aber hattest Du gedacht,
Als Du die verstrahlte Erde gesehen hast?
Von der verbrannten Stadt
Das Leben ging weiter
Als Fremde im eigenen Land
上社 Kamiyashiro
Am Rande der Stadt Nagoya
Wartend auf den Fernbus nach Tokyo
Die Autobahn war neu gebaut worden
Als das Dorf von Bauarbeiten umgewälzt wurde
Benrath
Wir Kinder waren verwundert,
Dass Du in der Fremde
Auf einmal aufblühtest
Du wirktest auf einmal so gelöst
Heute weiß ich:
Du fandest Deine Kindheit in der Fremde wieder
Benrath
Die Bank bleibt leer
Wer denn sonst, wenn nicht Du?
Nach Hause können wir nicht mehr
Erinnerungsarbeit II
上社 Kamiyashiro
Zu Hause zu sein
Wie damals?
Nie mehr wieder
Aber einheimisch im Dorf
Waren wir auch nicht
上社 Kamiyashiro
Die Welt war weit, weit weg
Mit einem verängstigten Blick starrten
Wir in die Zukunft
Wissend …
Wissend was?
Kaarst
Der Winter war kalt und hart
Ich wanderte durch das schneebedeckte Feld
Die dunklen Schneewolken hingen tief über der Erde
Wonach hattest Du in der Fremde gesucht?
Neuss
Selbstverständlich habe ich Nachhilfeunterricht in Deutsch genommen
Bei Frau Doktor Soundso
Einer gespenstischen Gestalt
Die im Unterricht immer wieder einschlief
Immerhin:
Sie diktierte mir Storms „Jenseit des Meeres“
Vollständig
Erinnerungsarbeit III
六日市 Muikaichi
Ich hatte immer gedacht,
Die Sommerferien würden nie enden.
Nach dem Aufwachen ging ich jeden Morgen in den Gemüsegarten
Meines Großvaters und pflückte eine Kirschtomate.
So fing der Tag an.
Die Sonne schien jeden Tag, und die Tigerspinne spannte ihr
Netz über den schmalen Gang zwischen dem
Haus meiner Großeltern und dem Schuppen, in dem meine
Großmutter eingelegte Ume-Pflaumen und allerlei Zeug lagerte.
Der Weg war noch feucht vom Morgentau,
Und es roch frisch nach dem Wasser des Flusses einige Meter entfernt.
Jeden Morgen ging ich zum Fluss und schaute Fische an,
Die immer auf meine Schatten lauerten,
Weil ich nach jedem Essen Reste in den Fluss warf.
Die Fische bildeten rasch eine dunkle Traube und kämpften um
Einzelne Reiskörner.
Da das Ufer gemauert war, stand ich mehrere Meter über dem Wasser.
Die Wasseroberfläche widerspiegelte den tiefgrünen, dicht mit Bäumen
Und Gebüsch bewachsenen Berghang.
Ich kam nach jedem Aufwachen, nach jedem Essen und
Jeden Abend, bevor es dunkel wurde.
Ich liebte den Fluss und die Landschaft
Genoss die Ruhe mit der Zuversicht,
Dass diese Zeit nie zu Ende gehen würde.
Benrath
Heute lebe ich wieder an einem Fluss
Er ist anders als der meiner Kindheit
Dennoch:
Die beiden Flüsse fließen ineinander
In meinem Inneren
Im Moment des Sonnenuntergangs
Wird der Flussoberlauf meiner Kindheit
Zur Quelle des Flusses der Gegenwart
Die Wellen kommen weit her
Erinnerungsarbeit IV
上海 Shanghai
1925
Als der Volksaufstand aufkam
Du rücktest mit der Freiwilligentruppe aus
Mit einem Gewehr und einem Bajonett
Zur Beruhigung der Lage
So der damalige Sprachgebrauch
Was hast Du gesehen?
Was hast Du gehört?
Was hast Du getan?
六日市 Muikaichi
Im besten Mannesalter lebtest
Du in einem entlegenen Bergdorf
Völlig zurückgezogen
Kein Wort darüber
Wo Du gewesen warst
Niemand hätte verstehen können
Was Du alles durchgemacht hattest